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.-135- 3.Christian, der zierliche Gemahl, der nicht mit ihr sprach, wer wardenn er? Sprte er das Jucken nicht?Er war derjenige, der sich auerhalb befand.Und sie versuchte zuverstehen, wer er war.Im April besuchte die Knigin im Hoftheater eine Vorstellung desTheaterstcks Zare von dem Franzosen Voltaire.Herr Voltaire hatte dem Knig dieses Stck mit einem persnlichenGru bersandt, und der Knig hatte gewnscht, selbst in einerder Rollen aufzutreten.Er hatte die Rolle auch einstudiert.In einem Begleitbrief hatte Herr Voltaire angedeutet, da dasStck eine heimliche Botschaft enthalte, einen Schlssel zu denTaten, die der Hochverehrte Knig von Dnemark, das Licht desNordens und der Retter der Unterdrckten, in Krze ausfhrensollte.Nachdem er das Stck viele Male gelesen hatte, hatte der Knigerklrt, er wnsche die Rolle des Sultans zu spielen.Er hatte seinen Text langsam gesprochen, mit eigentmlichenBetonungen, die in den Versen eine berraschende Intensittentstehen lieen.Seine verblffenden Pausen schufen eineSpannung, als habe er pltzlich eine Bedeutung entdeckt undinnegehalten, wie im Schritt.Und Caroline Mathilde konnte, als sieihn auf der Bhne sah, eine eigentmliche Anziehung zu ihremGatten spren, widerwillig.Auf der Bhne war er ein anderer.SeinRollentext wirkte echter als seine Konversation.Es war, als trete ererst jetzt hervor.Was wei ich jetzt, was hab ich anderes gelernt, wenn nicht, daLg' und Wahrheit sich so gleichen, als waren sie zwei TropfenWasser.Zweifel! Zweifel! Ja, alles ist Zweifel.Und nichts andres istwahr als der Zweifel.Auf eine Weise hatte er komisch ausgesehen in seinem Kostm.Diese orientalische Verkleidung! Dieser Turban! Und der krumme-136- Sbel, der fr seinen kleinen und zarten Krper allzu gro zu seinschien! Und doch: Er hatte seine langen Monologe mit einereigentmlichen berzeugung gesprochen, als erschaffe er dieSatze gerade in dem Moment auf dieser Buhne, vor dem ganzenHof.Genau in diesem Augenblick wurden sie geboren.Ja, es war,als spreche dieser wahnsinnige kleine Junge, der bisher seinLeben damit verbracht hatte, die Texte des Hofs im Theater desHofs herzusagen, zum erstenmal ohne Manuskript.Als spreche ererst jetzt aus sich selbst heraus.Als erschaffe er die Satze in diesem Augenblick, auf derTheaterbhne.Ein Verbrechen habe ich begangengegen meinen Herrscherstabund Kraft vergeudet beim Versuchzu tragen ihn.Er hatte die Rolle ruhig, aber mit Leidenschaft gespielt, und eswar, als habe sein Auftreten die anderen Schauspieler gelahmt; siehatten zum Teil ihren eigenen Text vergessen und reglos nur inihren Posen verharrt und auf den Knig gestarrt.Woher kamendiese kontrollierte Raserei der Majestt und diese berzeugung,die ja nicht die des Theaters sein konnte?Allem will ich in dieser - Hlle sein!Selbst meine Schand' abwaschen will ichin Blut, in Blut!Hier ist mein Altar, ein Altar der Racheund ich - der Hohepriester!Der Applaus danach hatte lange gedauert, aber fast erschrockengewirkt.Sie hatte beobachtet, da der deutsche Leibarzt, DoktorStruensee, schon nach einer kurzen Weile aufgehrt hatte zuapplaudieren, vielleicht nicht aus Mangel an Anerkennung, dachtesie, sondern aus einem anderen Grund.-137- Er hatte mit einer eigentmlichen Neugier, vorgebeugt, als sei erim Begriff aufzustehen und zum Knig hinzutreten, Christianbeobachtet, wie mit einer Frage auf den Lippen.Sie war sich inzwischen fast ganz sicher, da dieser neue Favorit,der Arzt Struensee, ihr gefhrlichster Feind war.Und da esabsolut notwendig war, ihn zu vernichten.4.Es war, als habe sich das Schweigen um die Knigin langsammagnetisch aufgeladen, seit der neue Feind hinzugekommen war.Sie war sich ganz sicher.Etwas Gefhrliches war im Begriff zugeschehen, etwas geschah, etwas vernderte sich.Frher war dieWelt nur unertrglich langweilig gewesen; es war eine Langeweile,als gliche das Leben am Hof und in Kopenhagen und in Dnemarkeinem dieser Wintertage, an denen der Nebel vom resund dichtund absolut still ber dem Wasser lag, und sie hatte sich zumStrand hinunter fahren lassen, auf den Steinen gestanden und dieVogel in dem schwarzen, unbewegten, quecksilbergleichenWasser ruhen sehen; und wenn ein Vogel aufgestiegen war undmit den Flgelspitzen die Wasseroberflache gepeitscht hatte undim Nebel ber dem Wasser verschwunden war, hatte sie gedacht,dieses Wasser ist das groe Meer, und auf der anderen Seite liegtEngland und wenn ich ein Vogel wre und Flgel htte, doch dannhatten die Klte und die Langeweile sie zurckgetrieben.Da hatte das Leben stillgestanden und nach Tod und Tanggerochen.Jetzt stand das Leben auch still, roch aber nach Tododer Leben; der Unterschied war, da ihr die Stille gefhrlichervorkam und sie mit einer sonderbaren Erregung erfllte.Was war das? War es der neue Feind?Doktor Struensee war nicht wie die anderen und war ihr Feind.Erwollte sie vernichten, dessen war sie sich sicher.Er befand sichstets in der Nhe des Knigs und hatte Macht ber ihn.Alle hattenDoktor Struensees Macht bemerkt.Doch was sie alle verwirrte,auch sie, das war, da er diese Macht anscheinend nicht-138- ausntzen wollte.Er bte Macht aus, mehr und mehr, das waroffenbar.Aber mit einer Art von stillem Widerwillen.Was wollte er eigentlich?Er galt als ein schner Mann.Er war noch jung.Er war einen Kopfgrer als alle brigen Hofleute, er war sehr freundlich und still,und am Hof wurde er der Schweigsame genannt.Aber wovon schwieg er?Sie hatte eines Tages mit ihrer Hkelarbeit im Rosengangauerhalb des inneren Schlohofs gesessen; und pltzlich war sievon so groer Trauer berwltigt worden, da sie sich nicht hattebeherrschen knnen.Das Hkelzeug war ihr in den Schogefallen, sie hatte den Kopf gesenkt, das Gesicht in den Hndenverborgen und nicht mehr ein noch aus ge-wut.Es war nicht das erste Mal, da sie in Kopenhagen weinte.Manchmal fand sie, da ihre Zeit in Dnemark eine einzige langeZeit der Trnen war.Aber dies war das erste Mal, da sieauerhalb ihrer Zimmer weinte.Als sie dort allein sa und das Gesicht in den Hnden ver-barg,hatte sie Struensee nicht kommen sehen.Pltzlich war er dagewesen.Er war ganz still und ruhig zu ihr getreten,hatte ein Spitzentaschentuch hervorgezogen und es ihr gereicht.Er hatte also zu erkennen gegeben, da er ihre Trnen gesehenhatte.Was fr eine Unverschmtheit, was fr ein Mangel an Takt [ Pobierz całość w formacie PDF ]

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